Glossar

Wichtige Begriffe und Konzepte verständlich erklärt

A

Agent

Im Kontext von KI-gestützter Softwareentwicklung: Ein autonomes oder semi-autonomes System, das eigenständig Aufgaben ausführen kann. Anders als einfache KI-Assistenten, die nur auf Prompts reagieren, können Agenten komplette Workflows durchführen.

Eigenschaften:

  • Autonomie: Führt Tasks ohne ständige Anleitung durch
  • Tool-Use: Kann selbst Werkzeuge nutzen (Git, Compiler, APIs)
  • Spezialisierung: Oft auf bestimmte Bereiche fokussiert
  • Context-Awareness: Versteht Projektstruktur und Konventionen

Beispieltypen:

  • Frontend-Agent: UI-Entwicklung
  • Backend-Agent: API & Business Logic
  • Testing-Agent: Automatisierte Tests
  • DevOps-Agent: CI/CD & Infrastructure

Siehe auch: Agent Orchestration

Agent Orchestration

Die Koordination mehrerer spezialisierter KI-Agenten, die zusammenarbeiten, um komplexe Softwareprojekte zu realisieren. Agent Orchestration ist eine Schlüsseltechnik für skalierbare Vibe-Coding-Workflows.

Konzept: Statt einen einzelnen Agenten alle Aufgaben erledigen zu lassen, werden spezialisierte Agenten für verschiedene Domänen eingesetzt und koordiniert – ähnlich wie ein Team menschlicher Entwickler.

Typisches Setup:

  • Conductor: Übergeordnete Koordination
  • Spezialisierte Agenten: Frontend, Backend, Testing, etc.
  • Kommunikations-Layer: Definierte Schnittstellen und Contracts
  • Human-in-the-Loop: Menschliche Oversight bei kritischen Entscheidungen

Herausforderungen:

  • Merge-Konflikte vermeiden
  • Klare Verantwortlichkeiten definieren
  • Dependencies managen
  • Konsistenten Code-Style sicherstellen

Siehe auch: Agent

B

Build-time Content

Content, das während des Build-Prozesses einer Anwendung geladen und verarbeitet wird, nicht zur Laufzeit. Bei Static Site Generation (SSG) werden Inhalte aus Dateien oder APIs gelesen und in statisches HTML kompiliert.

Vorteile:

  • Performance: Keine Laufzeit-Queries, instant Loading
  • SEO: Fully rendered HTML für Crawler
  • Caching: Einfach zu cachen, CDN-friendly
  • Sicherheit: Keine direkten DB-Zugriffe im Frontend
  • Simplicity: Keine Backend-Runtime notwendig

Beispiel:

/content/news/*.mdx → Build → /news/[slug].html

Use Cases:

  • Blogs und News-Sites
  • Dokumentation
  • Marketing-Landing-Pages
  • Portfolios

Limitations:

  • Content-Updates erfordern Rebuild
  • Nicht für user-generated Content
  • Keine Personalisierung ohne Client-Side JS

Siehe auch: Static Site Generation

C

Claude Code

Ein KI-gestützter Coding-Assistent von Anthropic, basierend auf dem Claude-Sprachmodell. Claude Code zeichnet sich durch besonders lange Kontext-Fenster (100k+ Tokens) und präzises Code-Verständnis aus.

Hauptfeatures:

  • Tiefes Verständnis großer Codebasen
  • Kontextbezogene Code-Vorschläge
  • Refactoring und Code-Reviews
  • Test-Generierung
  • Dokumentations-Erstellung

Unterschied zu allgemeinem Claude: Claude Code ist speziell für Entwicklungsaufgaben optimiert und in IDEs wie VS Code oder Cursor integrierbar.

Stärken:

  • Längerer Kontext als die meisten Alternativen
  • Weniger Halluzinationen
  • Präzise Anweisungsbefolgung
  • Exzellent für komplexe Refactorings

H

Human-in-the-Loop

Ein Paradigma, bei dem menschliche Entscheidungsträger an kritischen Punkten in automatisierte Workflows eingebunden werden. Im Kontext von KI-gestützter Entwicklung bedeutet dies, dass wichtige Entscheidungen nicht vollständig an Agenten delegiert werden.

Prinzip: KI-Agenten können autonom arbeiten, aber bei wichtigen Entscheidungen oder Unsicherheiten wird menschliches Urteilsvermögen eingeholt.

Wann Human-in-the-Loop?

  • Architektur-Entscheidungen: Grundlegende Design-Choices
  • Security-Relevante Änderungen: Auth, Permissions, Daten-Handling
  • Breaking Changes: API-Änderungen, die Downstream-Effects haben
  • Konflikt-Resolution: Wenn Agenten sich widersprechen
  • Quality Gates: Vor Production-Deployments

Beispiel-Workflow:

Agent generiert Code
  ↓
Automated Tests laufen
  ↓
→ Human Review (Code Review)
  ↓
Approve/Reject/Request Changes
  ↓
Deployment

Balance finden: Zu viel Human Oversight = Verlust der Effizienz Zu wenig = Risiko von Fehlern und technischer Schuld

Best Practice: Definiere klare Regeln, wann Human-in-the-Loop nötig ist, und lass Routine-Tasks vollständig automatisiert laufen.

P

Prompt Engineering

Die Kunst und Wissenschaft, Anfragen an KI-Systeme so zu formulieren, dass optimale Ergebnisse erzielt werden. Im Coding-Kontext geht es darum, KI-Tools wie Claude Code oder ChatGPT präzise Anweisungen zu geben.

Elemente guter Prompts:

  • Klarheit: Präzise Beschreibung der Anforderung
  • Kontext: Relevante Informationen über Projekt und Stack
  • Constraints: Einschränkungen und Rahmenbedingungen
  • Format: Gewünschte Struktur des Outputs
  • Examples: Beispiele für erwartetes Ergebnis

Best Practices:

❌ Schlecht: "Mach eine Login-Funktion"

✅ Gut: "Erstelle eine TypeScript Login-Funktion für Next.js
mit Email/Password Auth über PostgreSQL (self-hosted). Include Error Handling,
Loading States, bcrypt für Password Hashing und TypeScript-Interfaces für Props."

Fortgeschrittene Techniken:

  • Chain-of-Thought Prompting
  • Few-Shot Learning
  • Role Prompting
  • Context Injection

S

Static Site Generation

Ein Rendering-Pattern, bei dem Webseiten zur Build-Zeit als statische HTML-Dateien generiert werden. Im Gegensatz zu Server-Side Rendering (SSR) werden Seiten nicht bei jedem Request neu generiert, sondern einmal gebaut und dann ausgeliefert.

Wie es funktioniert:

  1. Build-Prozess wird gestartet
  2. Content wird aus Quellen geladen (MDX, Markdown, CMS, API)
  3. Pages werden als statisches HTML gerendert
  4. Resultierendes HTML + Assets werden deployed

Frameworks mit SSG:

  • Next.js (mit getStaticProps)
  • Gatsby
  • Hugo
  • Astro
  • 11ty

Ideal für:

  • Content-Sites (Blogs, Docs, Marketing)
  • Sites mit Updates in größeren Intervallen
  • SEO-kritische Seiten
  • Hoher Traffic mit gleichem Content für alle User

Nicht ideal für:

  • Highly dynamic Content
  • User-specific Personalization
  • Real-time Data
  • User-generated Content

Hybrid-Ansätze: SSG für Core Content + Client-Side JS für Dynamic Features = Best of both worlds

Siehe auch: Build-time Content

V

Vibe Coding

Eine moderne Entwicklungsphilosophie, die menschliche Intuition und Kreativität mit KI-Unterstützung verbindet. Der Begriff "Vibe" bezieht sich auf den Flow-Zustand, in dem Entwickler optimal produktiv und kreativ arbeiten.

Im Gegensatz zu traditionellem Coding oder reinem Prompting nutzt Vibe Coding KI-Tools als intelligente Co-Piloten, die kontextbezogen unterstützen, während der Entwickler die kreative Kontrolle und Entscheidungsgewalt behält.

Kernprinzipien:

  • Iterative Ko-Kreation mit KI
  • Intuitive Entscheidungsfindung
  • Balance zwischen Automatisierung und menschlicher Expertise
  • Focus auf Architektur und Business Logic statt Boilerplate